Montessoripädagogik in Stralsund

 

Maria Montessori (1870 – 1952) - italienische Ärztin und dann Pädagogin - gilt heute als bedeutendste Erforscherin der frühen Kindheitsentwicklung.

Sie gründete eine Pädagogik, die aus ihrer medizinischen Tätigkeit mit geistig behinderten Kindern entstand. Sie erforschte die Möglichkeit, geistig- und lernbehinderten Kindern über die Sinneserziehung zu helfen und durch Eigenaktivität mit gezielt entwickelten didaktischen Materialien Lernanreize zu geben.

Ihre unterrichtlichen Erfolge erregten damals schnell Aufsehen und sie übertrug ihre Methodik anschließend auf gesunde Kinder.

Die Grundzüge der Montessori-Erziehung breiteten sich rasch in vielen Ländern aus.

1950 wurde Maria Montessori mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Die von ihr entwickelten Prinzipien und Materialien werden noch heute in den Montessori-Schulen genutzt.

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Die Montessori-Grundschule gibt es seit über 20 Jahren in Stralsund und sie ist die einzige staatliche Montessori-Grundschule in Mecklenburg-Vorpommern.

Dank der Beschlüsse der Bürgerschaft befinden wir uns heute im sanierten Gebäude „Lambert Steinwich“ am Standort „An den Bleichen“. Das Gebäude ist als einzige Grundschule in Stralsund behindertengerecht (Fahrstuhl, Behinderten-WC) ausgestattet.

Im Haus ist ebenfalls der Hort ansässig.

Unsere Montessori-Grundschule vereint Kinder aus allen Stadtteilen und integriert seit Jahren Kinder mit Lern-Handicaps, Behinderungen sowie Kinder mit Hochbegabungen aus allen Stadtteilen unserer Hansestadt.

Wohngebiet der Schüler der Montessori-Grundschule "Lambert Steinwich" im Schuljahr 2013/2014




1.

Stralsund Tribseer

40

2.

Stralsund Altstadt

45

3.

Stralsund Knieper Nord/West

156

4.

Stralsund Franken

9

5.

Stralsund Grünhufe

35

6.

Umland

14

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Unsere Arbeit

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Neben dem uns allen bekannten Frontalunterricht findet, um der Differenzierung unterschiedlichster Lernniveaus gerecht zu werden, in einem großen Umfang des Tages täglich verlässlich die Freiarbeit statt.Freiarbeit nach Maria Montessori bedeutet: Im Höchstmaß individuell mit dem Kind zu arbeiten mit Hilfe des Montessori-Entwicklungsmaterials.

Das Kind wählt selbst aus diesem Angebot das Material aus, wählt seinen Arbeitsort (Teppich, Flur, Nebenraum) sowie Arbeitspartner und beginnt zu arbeiten. Viele Materialien lassen sich aufgrund der Größe nur auf dem Teppich auslegen.

Ein wesentliches Prinzip der Freiarbeit ist deshalb neben der Wahl des gegenständlichen Materials auch die freie Wahl des Platzes. Dabei entsteht Bewegung. Bewegung ist ein wesentlicher Faktor zum Aufbau der Intelligenz.

Das heißt: Alle Kinder der Klasse arbeiten mit unterschiedlichsten Materialien nach Maria Montessori differenziert in unterschiedlichen Leistungsstufen unter Begleitung des Lehrers.

Freiarbeit ermöglicht Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit.

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Diese tägliche Freiarbeit mit den platzaufwändigen Materialien ermöglicht uns die 100 %ige individuelle Zuwendung zu jedem Kind, den Lernschwachen und den Begabten.

Für Kinder mit Behinderung, zum Beispiel Hör- oder Sehbehinderung, wurden mit Unterstützung der Schulverwaltung Stralsund Voraussetzungen (z. B. Teppich, spezielle Schülertische mit Leselampe) geschaffen. Folgende Förderbedarfe gibt es derzeit bei uns:

 

Förderbereiche an der Montessori-Grundschule "Lambert Steinwich":

 

Förderbereich Anzahl der Schüler/innen
Präventiver Bereich Lernen 15
Emotionale und soziale Entwicklung 11
Körperlich motorische Entwicklung 2
Sehen 0
Hören 3
Sprache 3
Geistige Entwicklung 0
Lese-Rechtschreibschwäche 15
Matheschwäche 1
  50

 

Was vermag diese Pädagogik?

Wir bilden und erziehen auf hohem Niveau. Das bescheinigte uns das Staatliche Schulamt Greifswald während der externen Evaluation 2009. Die alljährlichen Ergebnisse der Vergleichsarbeiten in Klasse 3 (kurz: VERA) spiegeln dies ebenso wider.

Vergleichsarbeiten sind schriftliche Arbeiten in Form von Tests, die flächendeckend und jahrgangsbezogen untersuchen, welche Fähigkeiten Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben. In Mecklenburg-Vorpommern wird mit VERA der Lernstand in den 3., 6. und 8. Klassen aller allgemeinbildenden Schulen und Klassen in Deutschland verpflichtend erfasst.

Die nachfolgende Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der Kompetenzstufen im Vergleich Montessori-Grundschule und Land Mecklenburg-Vorpommern.

Stufe 5 zeigt Ergebnisse weit über das erforderliche Maß hinaus. Stufe 3 ist der Standard laut Rahmenplan. Wie sehr gut zu erkennen ist, stehen die Leistungen unserer Schüler hoch über dem Landesdurchschnitt und den laut Rahmenplan geforderten Ergebnissen. Jedes Jahr liegen unsere Werte in den Bereichen Deutsch/Mathematik deutlich über dem Landesdurchschnitt.

 

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Weiterführende Schulen, zum Beispiel die Regionale Schule „A. Diesterweg“ oder das Hansa-Gymnasium, an denen unsere Schüler weiterlernen, loben sowohl das Lernniveau der Kinder als auch ihre hohe soziale Kompetenz.

Von 50 Kindern, die ab 2011 in eine  5. Klasse der „ A. Diesterweg“ Regionalschule wechselten, verblieben 2014 für Klasse 7 lediglich nur 5 Schüler. Das heißt: 45 Kinder besuchten dann die gymnasiale Stufe.

 

 

Etwas Geschichte

1989   Wendepunkt: Pädagogen und Erzieher unserer Stadt suchen neue Wege und Möglichkeiten der Bildungs- und Erziehungsarbeit
1991   Start der ersten zwei Montessori- Klassen
1993   Erlangung der Montessori- Diplome
1995   Aufbau einer zweizügigen Montessori- Grundschule: Kooperation zwischen Freiarbeit und Frontalunterricht
1997   Umzug in ein neues Schulgebäude
1998   Montessori- Pädagogik und Comenius Projekt (im Rahmen der Europäischen Union)
1999   Dozententätigkeit beginnt und Anerkennung als Hospitationsschule
2001   Rekonstruktion / Umzug / Eröffnung der neuen „Maria Montessori“ Grundschule
2002   Umsetzung jährlicher Schulkonzepte: Schwerpunktsetzung jedes Schuljahres in Verbindung mit der Montessori- Pädagogik (z.B. Gesunde Lebensweise)
2004   Teilnahme am länderübergreifenden Gesundheitsprojekt: Gesundheitserziehung in der Montessori- Grundschule und Erfahrungsaustausch im Rahmen „anschub.de“
2006   Teilnahme an der SEIS- Befragung: Nutzung von Möglichkeiten der Evaluation unter Mithilfe der Schüler, Eltern und Kollegen
2007   Start der „Wassertröpfchenklasse“ In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium M/V und der REWA erfolgt ein tägliches Trinkwasserangebot in drei Stufen für die Kinder
2008   Ausbau des Programmes der Vollen Halbtagsschule mit Hilfe fachlicher Kräfte von außen wie Rückenschule, Yoga, Keyboard, Beakdance, Handarbeit, Schach, Tanzgruppe, Fußball für die Jungen und Mädchen, Erste Hilfe, Streitschlichter und Reiten.
2009   Evaluation der „Maria Montessori“ Grundschule mit Gesamtabschluss „Sehr gut“
2010   Anerkennung als Multimedia-Schule
2011   Jubiläum mit Festwoche zum 20-jährigen Bestehen unserer "M.Montessori" GS
2012   Teilnahmestart am Comenius-Regio-Projekt "Bildung und Erziehung nach dem Holocaust-Erinnern und Gedenken"
2013   Rekonstruktion/Umzug/Eröffnung der neuen Montessori-Grundschule "Lambert Steinwich" mit Hortangebot im Schulhaus
2014  
Eröffnung des Spielschiffs als ersten Baustein in der neuen Schulhofgestaltung mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern
2015   Abschluss des Comenius-Regio-Projektes "Bildung und Erziehung nach dem Holocaust-Erinnern und Gedenken" mit Prämierung
2017   Eröffnung des Freizeithofes und des Klassenzimmer im "Grünen", durch den Hortpartner Lebensräume eV.

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